Münzenfund beim Brunnenbau bei Emil Höhne

Im böhmischen Ort Gratschen (tschechisch Radešín) wurden im Juli 1929 auf dem Anwesen Gratschen Nr. 1 von Emil Höhne bei Grabungsarbeiten für einen Brunnen etwa 60 gleichartige alte Silbermünzen entdeckt. Die Münzen befanden sich in einem bemerkenswert guten Zustand, was darauf hindeutet, dass sie möglicherweise einmal vergraben wurden, um sie zu schützen oder zu verbergen.

Durch einen Herausgeber einer Münzzeitschrift, H. Wodiczka aus Budweis, konnten die Münzen als „Meißner Groschen„, genauer als „Schwertgroschen“ bestimmt werden, die gemäß der Münzordnung von 1456 geprägt wurden. Diese Münzbezeichnung lautet offiziell „Grossus March. Misnensis“.

Der Ausdruck „Grossus March. Misnensis“ ist aus dem Lateinischen abgeleitet und kann in folgende Bestandteile zerlegt werden:

  • Grossus: Dieser Begriff bezieht sich auf eine mittelalterliche Münze, bekannt als „Groschen“ im Deutschen. Ein Groschen war eine gängige Silbermünze in vielen europäischen Regionen während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.
  • March.: Dies ist eine Abkürzung für „Marchia“ oder „Mark“, die auf eine Grenzregion oder ein Grenzgebiet hinweist. Im mittelalterlichen Europa bezeichnete eine Mark oft ein Grenzgebiet oder eine Grenzprovinz.
  • Misnensis: Dies bezieht sich auf die Stadt Meißen in Sachsen, Deutschland. „Misnensis“ ist das lateinische Adjektiv für „aus Meißen“ oder „zugehörig zu Meißen“.

Zusammengenommen bedeutet „Grossus March. Misnensis“ also „Meißner Groschen“ oder „Groschen der Mark Meißen“. Es handelt sich dabei um eine Münze, die im mittelalterlichen Herzogtum Sachsen, speziell in der Region um Meißen, geprägt wurde. Der Meißner Groschen war eine bedeutende und weit verbreitete Münze in Mitteleuropa während des Mittelalters.

Durch die Bemühungen des Gendarmeriewachtmeisters Emil Dašatko in Aussig wurden 40 der gefundenen Münzen dem Aussiger Museum übergeben und dort ausgestellt.

Solche Funde sind für Historiker, Archäologen und Numismatiker von großer Bedeutung, da sie Licht auf historische Handelsrouten, Wirtschaftssysteme und soziokulturelle Aspekte einer Region oder eines Zeitraums werfen können. Der Münzenfund in Gratschen ist ein Zeugnis der Vergangenheit und bietet einen Einblick in die Münzprägung und Wirtschaft des 15. Jahrhunderts in der Region.

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Quellen

  • Mitteilungen: Münzenfund. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 9. Jahrgang, 1929, 3. Heft. Selbstverlag, 1929, S. 143.
  • im Text verlinktes Kartenmaterial des tschechischen Geoportals ČÚZK
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild

Hinweise

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