Ignatz Höhne und die Kohleförderung in Türmitz

Im böhmischen Ort Türmitz (tschechisch Trmice), der an der westlichen Stadtgrenze von Aussig (tschechisch Ústí nad Labem) an einer Flussschleife der Biela (tschechisch Bílina) liegt, spielten Mitglieder einer Höhne-Familie im Kontext der Kohlenförderung eine Rolle.

Ignatz Höhne, ein Grundbesitzer, war einer der Pioniere bei der Erschließung der Braunkohlevorkommen in der Region. Gemeinsam mit dem Seifensieder Franz Anton Meixner begann er 1798, ein Braunkohlenlager auf der Flur Rabenei auszubeuten. Die Beteiligung Höhnes markierte den Beginn einer intensiveren und gezielten Nutzung der Kohleressourcen in der Gegend, die zuvor eher beiläufig erfolgte.

Ignatz Höhne verstarb 1815 im Alter von 73 Jahren. Sein Leben wurde von einer schweren Tragödie überschattet, da er kurz zuvor den Tod seines Sohnes Josef Höhne verkraften musste. Josef Höhne, der das väterliche Anwesen und die Kohlegrube übernehmen sollte, kam am 4. März 1814 im Alter von nur 33 Jahren bei einem Bergwerksunglück ums Leben. Die Todesursache war eine Vergiftung durch Kohlendunst im Schacht, was auf die damals mangelnden Sicherheitsstandards im Bergbau hinweist. Dieser Vorfall verdeutlicht exemplarisch die Gefahren, mit denen die ersten Kohlenarbeiter, die zumeist Handwerker oder Landwirte ohne bergmännische Vorkenntnisse waren, bei der Förderung konfrontiert waren.

Eine Vergiftung durch Kohlendunst im Kohlebergbau (auch „Wetterschlag“ genannt) entsteht, wenn sich giftige Gase wie Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO₂) oder Methan (CH₄) in der Grube ansammeln. Besonders gefährlich ist Kohlenmonoxid, da es farb- und geruchlos ist und den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Dies führt zunächst zu Kopfschmerzen und Schwindel, später zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung, was ohne Rettung tödlich endet. Kohlendioxid ist ebenfalls riskant, da es schwerer als Luft ist und den Sauerstoff in der Atemluft verdrängt, was eine Erstickung ohne Vorwarnung zur Folge haben kann. Methan wiederum ist zwar nicht direkt giftig, kann aber in hohen Konzentrationen explosionsgefährlich sein. Eine Vergiftung verläuft meist schleichend: Zunächst treten Müdigkeit und Kopfschmerzen auf, dann Atemnot und Bewusstlosigkeit. Ohne rechtzeitige Rettung führt die Erstickung oder Vergiftung zum Tod. Um dies zu verhindern, werden im modernen Bergbau Lüftungssysteme eingesetzt, die für frische Luft sorgen, sowie CO-Warngeräte und Atemschutzgeräte, die den Bergleuten im Notfall Schutz bieten.

Die Kohleförderung in Türmitz nahm bereits Ende des 18. Jahrhunderts ihren Anfang und gewann insbesondere im 19. Jahrhundert erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung. Zu Beginn wurde die Kohle primär von lokalen Handwerkern und Landarbeitern erschlossen, die aufgrund fehlender bergmännischer Erfahrung häufig Unfällen ausgesetzt waren. 1827 kam es beispielsweise zu einem schweren Schachteinsturz, bei dem zwei Arbeiter erst nach vier Tagen lebend geborgen wurden. Die Kohleförderung wurde im Laufe der Zeit professionalisiert, besonders unter der Leitung der gräflichen Familie von Nostitz. Graf Albert von Nostitz setzte ab 1841 verstärkt auf den systematischen Kohleabbau, indem er technische Neuerungen einführte und den Abtransport per Bahn ermöglichte. Bereits 1862 waren 160 Bergleute in Türmitz tätig, und die jährliche Fördermenge betrug 1,33 Millionen Zentner. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Kohleförderung mit einer Produktion von 2,75 Millionen Doppelzentnern unter Gräfin Maria Antonia Gabriele Sylva-Tarouca einen neuen Höhepunkt.

Quellen

  • Anton Tscherney, In: Beitrag zur Geschichte der Stadt Türmitz, Hrsgb. Josef Bertig, Türmitz 1909.
  • Von der Kohlenförderung in Türmitz, Aussiger Bote, 72. Jahrgang 2020, Folge 5, Seite 141ff.
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild

Die Geschichte der Familie Höhne aus Arnsdorf: Von bäuerlichen Wurzeln bis zur Vertreibung

Zwischen 1945 und 1946 wurden die meisten deutschböhmischen Bewohner, darunter auch die Einwohner des Ortes Arnsdorf (heute Arnultovice in Tschechien), im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei aus ihrer Heimat zwangsausgesiedelt. Die Mehrheit dieser Vertriebenen suchte Zuflucht in den Gebieten des heutigen Deutschlands.

Im deutschböhmischen Ort Arnsdorf lebten auch Angehörige der Familie Höhne. Der erste Bewohner war mit hoher Wahrscheinlichkeit Hans Franz Höhne (* 10. März 1735 in Leukersdorf; + nach 12. April 1784), der aus Leukersdorf nach Arnsdorf zog. Am 2. Februar 1762 heiratete Franz in Arnsdorf Anna Veronica Ekelt (* vor 1744; + nach 12. April 1784) und übernahm den Bauernhof ihrer Eltern in Arnsdorf, der später mit der Hausnummer 16 bezeichnet wurde.

Veronica und Franz hatten insgesamt elf Kinder, die wohl alle auf dem Hof in Arnsdorf geboren wurden. Ihr erstgeborenes Kind, Hans Franz Höhne, erblickte am 21. Februar 1763 das Licht der Welt und wurde bereits einen Tag später, am 22. Februar, in der Allerheiligenkirche von Arnsdorf getauft. Zwei Jahre später wurde am 4. November 1764 ihre Tochter Veronica geboren, die ebenfalls bald nach ihrer Geburt, am 5. November, in derselben Kirche getauft wurde. Im Januar 1767 kam das dritte Kind der Familie, Theresia Höhne, zur Welt. Sie wurde am 16. Januar 1767 geboren und am nächsten Tag, dem 17. Januar, in der Allerheiligenkirche getauft. Auch Anna Maria Höhne, die am 5. März 1769 geboren wurde, wurde am Tag nach ihrer Geburt in der örtlichen Kirche getauft, genauer am 6. März 1769. Das fünfte Kind der Familie, Anna Dorothea Höhne, wurde am 21. Februar 1771 getauft und wurde wahrscheinlich am selben Tag oder wenige Tage zuvor geboren. Teilweise wurden in den Kirchenbüchern nur die Datumsangaben der Taufen aufgeschrieben. Zwei Jahre später folgte Johann Joseph Höhne, der am 15. Juli 1773 in Arnsdorf getauft wurde. Ein tragisches Schicksal ereilte die Familie mit ihrem Sohn Franz Anton Höhne, der am 5. Oktober 1775 getauft wurde, aber bereits nach nur wenigen Monaten, am 26. März 1776, verstarb. Die Familie musste im Verlauf der Jahre mehrere solcher Verluste ertragen, darunter auch ihre Tochter Apollonia, die am 2. Februar 1777 getauft wurde und am 27. Februar 1780 im Alter von drei Jahren verstarb. Ein weiterer Sohn, ebenfalls Franz Anton genannt, wurde am 5. April 1779 getauft, doch auch er starb früh, am 27. September 1780. Ihr nächster Sohn, Anton Höhne, getauft am 6. April 1781, überlebte. Anton übernahm später den elterlichen Hof und heiratete Maria Elisabeth Steppe (* 21 Mai 1777; + nach 1. Oktober 1823). Das letzte Kind der Familie, Franz Joseph Höhne, wurde am 12. April 1784 getauft.

Elisabeth und Anton bekamen insgesamt zehn Kinder, nachdem Anton den Hof seines Vaters übernommen hatte. Ihr erstes Kind, Franz Joseph Höhne, wurde am 13. Dezember 1801 in Arnsdorf geboren und am darauffolgenden Tag in der Allerheiligenkirche getauft. Über sein Leben ist bekannt, dass er nach dem 12. Januar 1854 verstarb und verheiratet war mit M. Anna Zimmler aus Mörkau. Ihr zweites Kind, Franz Anton Höhne, kam am 10. Juli 1803 zur Welt und wurde am gleichen Tag in der Allerheiligenkirche getauft. Von seinem späteren Leben liegen keine weiteren überlieferten Informationen vor. Das dritte Kind, Wenzl Höhne, wurde am 30. Januar 1805 geboren und am 31. Januar 1805 getauft. Er starb nach dem 10. Januar 1860 und war verheiratet mit Agnes Böhme (* 3. Juli 1810 in Arnsdorf; + ?) aus Arnsdorf Nr. 19. Wenzl zog später in Haus Nummer 44 in Arnsdorf und war ein Häusler. Das vierte Kind, Ignatz Höhne, wurde am 29. November 1806 geboren und am 30. November 1806 getauft. Auch über sein späteres Leben liegen keine weiteren Informationen vor. Theresia Höhne, das fünfte Kind, wurde am 10. Juni 1808 geboren und am 11. Juni 1808 in der Allerheiligenkirche getauft. Über ihr weiteres Leben sind bislang keine belegten Informationen überliefert. Da das folgende Kind ebenfalls den Namen Theresia erhielt, ist es wahrscheinlich, dass sie vor der Geburt ihrer Schwester verstarb. Das sechste Kind, ebenfalls Theresia genannt, wurde am 21. April 1810 geboren und am 22. April 1810 getauft. Sie heiratete am 10. November 1835 Joseph Hahmann, einen Bauern aus Arnsdorf Nummer zehn. Ihr Ehemann war der Sohn von Joseph Hamann und Theresia Damaschke. Aus dieser Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor. Franz Anton Höhne, das siebte Kind, wurde am 9. November 1811 geboren und am 10. November 1811 getauft. Auch zu seinem Leben gibt es bislang keine weiteren überlieferten Informationen. Franz Xaver Höhne, geboren am 4. Juni 1815, war das achte Kind der Familie. Er wurde am 5. Juni 1815 getauft und heiratete am 29. Januar 1839 Maria Josepha Anders (* 1. Juli 184 in Deutsch Kahn; + nach 14. September 1848) aus Deutsch Kahn Nr. 32. Franz führte den elterlichen Hof weiter und wurde später als Gemeindevorsteher von Arnsdorf erwähnt. Er starb zwischen dem 28. Oktober 1862 und dem 17. Januar 1865. Das neunte Kind, Maria Anna Höhne, wurde am 11. Dezember 1819 geboren und am 12. Dezember 1819 in der Allerheiligenkirche getauft. Sie heiratete Franz Lehmann (* 12. Oktober 1818 in Arnsdorf; + ?) aus Arnsdorf Nr. 31 am 19. Mai 1840. Das zehnte und jüngste Kind, Ferdinand Höhne, wurde am 1. Oktober 1823 geboren und am selben Tag in der Allerheiligenkirche getauft. Sein weiteres Leben bleibt ungewiss, da bislang keine weiteren Informationen überliefert sind.

Josepha und Franz bekamen zumindestens vier Kinder, nachdem Franz den Hof seines Vaters übernommen hatte. Ihr erstes Kind, Maria Anna Höhne, wurde am 11. März 1840 in Arnsdorf Nr. 16 geboren und am 12. März 1840 in der Allerheiligenkirche getauft. Sie blieb bis zu ihrer Heirat mit Karl Thiele (* 23. Februar 1830 in Deutschkahn; + ?), am 28. Oktober 1862, in Arnsdorf. Karl Thiele stammte aus Deutsch Kahn Nr. 24. Das zweite Kind von Josepha und Franz, Franz Höhne, wurde am 28. August 1842 in Arnsdorf Nr. 16 geboren und am 29. August 1842 getauft. Franz war zwischenzeitlich Wirtschaftsbesitzer in Arnsdorf Nr. 10 und zog später nach Gratschen Nr. 1, wo er ebenfalls Wirtschaftsbesitzer war. Er starb am 11. November 1914 in Gratschen Nr. 1 und wurde in Seesitz beerdigt. Am 22. November 1864 heiratete er Carolina Watzke (* 13. Februar 1842; + 7. März 1922), mit der er seine eigene Familie gründete und in Gratschen lebte. Das dritte Kind, Emanuel Höhne, wurde am 27. August 1845 in Arnsdorf geboren und ebenfalls in der Allerheiligenkirche getauft. Über sein weiteres Leben liegen bislang keine weiteren Informationen vor. Das vierte und bislang bekannte jüngste Kind der Familie, Maria Höhne, wurde am 13. September 1848 in Arnsdorf geboren und am 14. September 1848 in der Allerheiligenkirche getauft. Sie heiratete am 20. April 1869 Franz Czedir (* etwa Januar 1846; + ?)). Die Hochzeit fand ebenfalls in der Allerheiligenkirche in Arnsdorf statt.

Nach der Vertreibung der Deutschböhmen aus der Tschechoslowakei wurden die Bewohner des deutschböhmischen Ortes Arnsdorf in verschiedenen Regionen Deutschlands angesiedelt. Von den 51 erfassten Familien fanden die meisten, nämlich 29 Familien, eine neue Heimat in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere acht Familien zogen nach Thüringen, während vier Familien in der Provinz Sachsen und zwei Familien in Sachsen angesiedelt wurden. Einzelne Familien fanden in Hessen (eine Familie), Mittelfranken (drei Familien), Oberfranken (drei Familien) und der Oberpfalz (eine Familie) eine neue Bleibe.

Die Provinz Sachsen war eine preußische Provinz und existierte als solche bis zur Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie lag im zentralen Teil Deutschlands und umfasste Gebiete, die heute hauptsächlich zu Sachsen-Anhalt gehören. Die Provinz Sachsen wurde 1816 nach dem Wiener Kongress gegründet und bestand aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Merseburg und dem Herzogtum Sachsen (Anhalt). Wichtige Städte in dieser Provinz waren Magdeburg, Halle (Saale) und Dessau. Nach 1945 wurde die Provinz Sachsen durch die Sowjetische Besatzungsmacht neu organisiert und in die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgeteilt. Teile der Provinz wurden auch in das neu geschaffene Land Brandenburg eingegliedert.

Die Geschichte der Familie Höhne, ebenso wie die vieler anderer deutschböhmischer Familien, ist stark von den politischen Umwälzungen im 20. Jahrhundert geprägt. Nach der Vertreibung der deutschböhmischen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele der einstigen Bewohner von Arnsdorf in verschiedenen Teilen Deutschlands eine neue Heimat. Bislang ist unklar, wohin die Höhne-Familien nach der Vertreibung tatsächlich gezogen sind.

Die Aufzeichnungen über die Familie Höhne geben jedoch Einblick in die familiären Strukturen, das bäuerliche Leben und die historischen Schicksale, die das Leben der Menschen in dieser Region über Generationen hinweg prägten.

Podcast

Quellen

  • Oskar Laurich, In: Wie Flugsamen verweht. Aussiedlung uns Streuung unserer Landsleute., Aussiger Bote, 5./6. Heimatbrief, Helmut Preußler Verlag, 1949, Seite 7ff.
  • Archiv Leitmeritz Sig. 147/16 – Tauf-, Trauungs-, Sterberegister – katholische Kirche Gartitz – 1746-1784
  • Archiv Leitmeritz Sig. 147/17 – Geburtsregister – katholische Kirche Gartitz – 1784-1848
  • Archiv Leitmeritz Sig. 147/36 – Traumatrikel – katholische Kirche Gartitz – 1784-1924
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild

Hinweise

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