Die Geschichte der Familie Höhne aus Arnsdorf: Von bäuerlichen Wurzeln bis zur Vertreibung

Zwischen 1945 und 1946 wurden die meisten deutschböhmischen Bewohner, darunter auch die Einwohner des Ortes Arnsdorf (heute Arnultovice in Tschechien), im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei aus ihrer Heimat zwangsausgesiedelt. Die Mehrheit dieser Vertriebenen suchte Zuflucht in den Gebieten des heutigen Deutschlands.

Im deutschböhmischen Ort Arnsdorf lebten auch Angehörige der Familie Höhne. Der erste Bewohner war mit hoher Wahrscheinlichkeit Hans Franz Höhne (* 10. März 1735 in Leukersdorf; + nach 12. April 1784), der aus Leukersdorf nach Arnsdorf zog. Am 2. Februar 1762 heiratete Franz in Arnsdorf Anna Veronica Ekelt (* vor 1744; + nach 12. April 1784) und übernahm den Bauernhof ihrer Eltern in Arnsdorf, der später mit der Hausnummer 16 bezeichnet wurde.

Veronica und Franz hatten insgesamt elf Kinder, die wohl alle auf dem Hof in Arnsdorf geboren wurden. Ihr erstgeborenes Kind, Hans Franz Höhne, erblickte am 21. Februar 1763 das Licht der Welt und wurde bereits einen Tag später, am 22. Februar, in der Allerheiligenkirche von Arnsdorf getauft. Zwei Jahre später wurde am 4. November 1764 ihre Tochter Veronica geboren, die ebenfalls bald nach ihrer Geburt, am 5. November, in derselben Kirche getauft wurde. Im Januar 1767 kam das dritte Kind der Familie, Theresia Höhne, zur Welt. Sie wurde am 16. Januar 1767 geboren und am nächsten Tag, dem 17. Januar, in der Allerheiligenkirche getauft. Auch Anna Maria Höhne, die am 5. März 1769 geboren wurde, wurde am Tag nach ihrer Geburt in der örtlichen Kirche getauft, genauer am 6. März 1769. Das fünfte Kind der Familie, Anna Dorothea Höhne, wurde am 21. Februar 1771 getauft und wurde wahrscheinlich am selben Tag oder wenige Tage zuvor geboren. Teilweise wurden in den Kirchenbüchern nur die Datumsangaben der Taufen aufgeschrieben. Zwei Jahre später folgte Johann Joseph Höhne, der am 15. Juli 1773 in Arnsdorf getauft wurde. Ein tragisches Schicksal ereilte die Familie mit ihrem Sohn Franz Anton Höhne, der am 5. Oktober 1775 getauft wurde, aber bereits nach nur wenigen Monaten, am 26. März 1776, verstarb. Die Familie musste im Verlauf der Jahre mehrere solcher Verluste ertragen, darunter auch ihre Tochter Apollonia, die am 2. Februar 1777 getauft wurde und am 27. Februar 1780 im Alter von drei Jahren verstarb. Ein weiterer Sohn, ebenfalls Franz Anton genannt, wurde am 5. April 1779 getauft, doch auch er starb früh, am 27. September 1780. Ihr nächster Sohn, Anton Höhne, getauft am 6. April 1781, überlebte. Anton übernahm später den elterlichen Hof und heiratete Maria Elisabeth Steppe (* 21 Mai 1777; + nach 1. Oktober 1823). Das letzte Kind der Familie, Franz Joseph Höhne, wurde am 12. April 1784 getauft.

Elisabeth und Anton bekamen insgesamt zehn Kinder, nachdem Anton den Hof seines Vaters übernommen hatte. Ihr erstes Kind, Franz Joseph Höhne, wurde am 13. Dezember 1801 in Arnsdorf geboren und am darauffolgenden Tag in der Allerheiligenkirche getauft. Über sein Leben ist bekannt, dass er nach dem 12. Januar 1854 verstarb und verheiratet war mit M. Anna Zimmler aus Mörkau. Ihr zweites Kind, Franz Anton Höhne, kam am 10. Juli 1803 zur Welt und wurde am gleichen Tag in der Allerheiligenkirche getauft. Von seinem späteren Leben liegen keine weiteren überlieferten Informationen vor. Das dritte Kind, Wenzl Höhne, wurde am 30. Januar 1805 geboren und am 31. Januar 1805 getauft. Er starb nach dem 10. Januar 1860 und war verheiratet mit Agnes Böhme (* 3. Juli 1810 in Arnsdorf; + ?) aus Arnsdorf Nr. 19. Wenzl zog später in Haus Nummer 44 in Arnsdorf und war ein Häusler. Das vierte Kind, Ignatz Höhne, wurde am 29. November 1806 geboren und am 30. November 1806 getauft. Auch über sein späteres Leben liegen keine weiteren Informationen vor. Theresia Höhne, das fünfte Kind, wurde am 10. Juni 1808 geboren und am 11. Juni 1808 in der Allerheiligenkirche getauft. Über ihr weiteres Leben sind bislang keine belegten Informationen überliefert. Da das folgende Kind ebenfalls den Namen Theresia erhielt, ist es wahrscheinlich, dass sie vor der Geburt ihrer Schwester verstarb. Das sechste Kind, ebenfalls Theresia genannt, wurde am 21. April 1810 geboren und am 22. April 1810 getauft. Sie heiratete am 10. November 1835 Joseph Hahmann, einen Bauern aus Arnsdorf Nummer zehn. Ihr Ehemann war der Sohn von Joseph Hamann und Theresia Damaschke. Aus dieser Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor. Franz Anton Höhne, das siebte Kind, wurde am 9. November 1811 geboren und am 10. November 1811 getauft. Auch zu seinem Leben gibt es bislang keine weiteren überlieferten Informationen. Franz Xaver Höhne, geboren am 4. Juni 1815, war das achte Kind der Familie. Er wurde am 5. Juni 1815 getauft und heiratete am 29. Januar 1839 Maria Josepha Anders (* 1. Juli 184 in Deutsch Kahn; + nach 14. September 1848) aus Deutsch Kahn Nr. 32. Franz führte den elterlichen Hof weiter und wurde später als Gemeindevorsteher von Arnsdorf erwähnt. Er starb zwischen dem 28. Oktober 1862 und dem 17. Januar 1865. Das neunte Kind, Maria Anna Höhne, wurde am 11. Dezember 1819 geboren und am 12. Dezember 1819 in der Allerheiligenkirche getauft. Sie heiratete Franz Lehmann (* 12. Oktober 1818 in Arnsdorf; + ?) aus Arnsdorf Nr. 31 am 19. Mai 1840. Das zehnte und jüngste Kind, Ferdinand Höhne, wurde am 1. Oktober 1823 geboren und am selben Tag in der Allerheiligenkirche getauft. Sein weiteres Leben bleibt ungewiss, da bislang keine weiteren Informationen überliefert sind.

Josepha und Franz bekamen zumindestens vier Kinder, nachdem Franz den Hof seines Vaters übernommen hatte. Ihr erstes Kind, Maria Anna Höhne, wurde am 11. März 1840 in Arnsdorf Nr. 16 geboren und am 12. März 1840 in der Allerheiligenkirche getauft. Sie blieb bis zu ihrer Heirat mit Karl Thiele (* 23. Februar 1830 in Deutschkahn; + ?), am 28. Oktober 1862, in Arnsdorf. Karl Thiele stammte aus Deutsch Kahn Nr. 24. Das zweite Kind von Josepha und Franz, Franz Höhne, wurde am 28. August 1842 in Arnsdorf Nr. 16 geboren und am 29. August 1842 getauft. Franz war zwischenzeitlich Wirtschaftsbesitzer in Arnsdorf Nr. 10 und zog später nach Gratschen Nr. 1, wo er ebenfalls Wirtschaftsbesitzer war. Er starb am 11. November 1914 in Gratschen Nr. 1 und wurde in Seesitz beerdigt. Am 22. November 1864 heiratete er Carolina Watzke (* 13. Februar 1842; + 7. März 1922), mit der er seine eigene Familie gründete und in Gratschen lebte. Das dritte Kind, Emanuel Höhne, wurde am 27. August 1845 in Arnsdorf geboren und ebenfalls in der Allerheiligenkirche getauft. Über sein weiteres Leben liegen bislang keine weiteren Informationen vor. Das vierte und bislang bekannte jüngste Kind der Familie, Maria Höhne, wurde am 13. September 1848 in Arnsdorf geboren und am 14. September 1848 in der Allerheiligenkirche getauft. Sie heiratete am 20. April 1869 Franz Czedir (* etwa Januar 1846; + ?)). Die Hochzeit fand ebenfalls in der Allerheiligenkirche in Arnsdorf statt.

Nach der Vertreibung der Deutschböhmen aus der Tschechoslowakei wurden die Bewohner des deutschböhmischen Ortes Arnsdorf in verschiedenen Regionen Deutschlands angesiedelt. Von den 51 erfassten Familien fanden die meisten, nämlich 29 Familien, eine neue Heimat in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere acht Familien zogen nach Thüringen, während vier Familien in der Provinz Sachsen und zwei Familien in Sachsen angesiedelt wurden. Einzelne Familien fanden in Hessen (eine Familie), Mittelfranken (drei Familien), Oberfranken (drei Familien) und der Oberpfalz (eine Familie) eine neue Bleibe.

Die Provinz Sachsen war eine preußische Provinz und existierte als solche bis zur Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie lag im zentralen Teil Deutschlands und umfasste Gebiete, die heute hauptsächlich zu Sachsen-Anhalt gehören. Die Provinz Sachsen wurde 1816 nach dem Wiener Kongress gegründet und bestand aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Merseburg und dem Herzogtum Sachsen (Anhalt). Wichtige Städte in dieser Provinz waren Magdeburg, Halle (Saale) und Dessau. Nach 1945 wurde die Provinz Sachsen durch die Sowjetische Besatzungsmacht neu organisiert und in die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgeteilt. Teile der Provinz wurden auch in das neu geschaffene Land Brandenburg eingegliedert.

Die Geschichte der Familie Höhne, ebenso wie die vieler anderer deutschböhmischer Familien, ist stark von den politischen Umwälzungen im 20. Jahrhundert geprägt. Nach der Vertreibung der deutschböhmischen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele der einstigen Bewohner von Arnsdorf in verschiedenen Teilen Deutschlands eine neue Heimat. Bislang ist unklar, wohin die Höhne-Familien nach der Vertreibung tatsächlich gezogen sind.

Die Aufzeichnungen über die Familie Höhne geben jedoch Einblick in die familiären Strukturen, das bäuerliche Leben und die historischen Schicksale, die das Leben der Menschen in dieser Region über Generationen hinweg prägten.

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Quellen

  • Oskar Laurich, In: Wie Flugsamen verweht. Aussiedlung uns Streuung unserer Landsleute., Aussiger Bote, 5./6. Heimatbrief, Helmut Preußler Verlag, 1949, Seite 7ff.
  • Archiv Leitmeritz Sig. 147/16 – Tauf-, Trauungs-, Sterberegister – katholische Kirche Gartitz – 1746-1784
  • Archiv Leitmeritz Sig. 147/17 – Geburtsregister – katholische Kirche Gartitz – 1784-1848
  • Archiv Leitmeritz Sig. 147/36 – Traumatrikel – katholische Kirche Gartitz – 1784-1924
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild

Hinweise

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Die Hausnamen in Leukersdorf

In den Jahren 1926 und 1927 verfasste Wenzel Plaschke, ein Einwohner des böhmischen Ortes Leukersdorf (tschechisch Čermná), eine detaillierte Aufzeichnung der Hausnamen des Ortes. Durch das akribische Durchforschen der Grundbücher und das Sammeln von mündlichen Überlieferungen konnte er die Entstehung der meisten dieser alten Namen klären. Diese Spitznamen waren nicht nur wahrscheinlich hilfreich um sich im Ort zurechtzufinden – besonders wegen der vielen gleichlautenden Familiennamen -, sondern sie dienten auch als soziale Marker, die Berufe, Familienbande und lokale Traditionen widerspiegelten.

Die nachfolgenden Häuser in Leukersdorf und deren Hausnamen sind mit Personen mit dem Familiennamen Höhne verbunden:

  • Haus Nr. 22: Im Jahr 1926 war Josef Höhne Besitzer dieses Hauses. Es wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts „beim Schmiedebauer“ genannt. Der Name stammt aus dem Jahr 1688, als ein Johann Schmiedt aus Königswald (tschechisch Libouchec) die verwitwete Besitzerin dieses Gutes heiratete, und so erhielt das Gut diesen Namen. Die ersten bekannten Besitzer des Hauses Nr. 22 waren bis ins Jahr 1573 Benedig Werner, Paul Krause, Matz Hickmann, Rudolf v. Bünau und bis ins Jahr 1594 Simon Anders.
  • Haus Nr. 34: Im Jahr 1926 gehörte dieses Haus dem Besitzer Adolf Höhne. Es wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts „beim Günther“ genannt. Die Familie Günther bewirtschaftete dieses Gut von 1589 bis 1806. Die Besitzer dieses Hauses am Anfang des 20. Jahrhunderts waren Nachkommen der Familie Günther in weiblicher Linie. Die ersten bekannten Besitzer des Hauses Nr. 34 waren bis ins Jahr 1580 Valten Gut und Matz Hennichen.
  • Haus Nr. 35: Das als „beim Joukel“ bekannte Bauerngut hatte nach Angabe von Wenzel Plaschke zwischen 1661 und 1735 zwei Besitzer mit dem Namen Jakob Höhne. Aufgrund der zahlreichen Höhne-Familien im Ort Leukersdorf wurde der Vorname Jakob, auch „Joukel“ genannt, wahrscheinlich zum Namen des Anwesens. Die beiden Besitzer waren der Bauer Jakob Höhne (* etwa 1627 in München; † etwa 22. Juli 1690 in Leukersdorf) und dessen gleichnamiger Sohn Jakob Höhne (* 29. März 1670 (?) in Leukersdorf; † 6. Februar 1720 in Leukersdorf). Der jüngere Jakob Höhne übernahm im Jahr 1690 das Bauerngut von seinem gleichnamigen Vater und verpflichtete sich hierbei vertraglich, seine zu diesem Zeitpunkt noch ledige Schwester Anna Höhne (* etwa 1665; † etwa 24. März 1699 in Leukersdorf) für eine potentielle Hochzeit auszustatten. Der erste bekannte Besitzer des Hauses Nr. 35 war bis ins Jahr 1583 Ambrosius Stroppe.
  • Haus Nr. 43: Das Anwesen befand sich im Jahr 1927 im Besitz von Emilie Höhne und war ursprünglich als „beim Müllerlöbel“ bekannt. Das Haus wurde im Jahr 1720 von Hans Deutsch erbaut. Seinen Namen verdankt es laut Wenzel Plaschke zum Teil der Obermühle (Haus Nr. 26), dessen Besitzer und Müller Franz Schlößinger später in die Nr. 43 zog. In der Folgezeit kam ein weiterer Namensbeitrag durch Anton Löbel hinzu, der seit 1835 dort wohnte.
    Später wurde die Adresse als „beim Poulte“ bekannt. Laut Wenzel Plaschke hatte der Stammvater der im Ort Leukersdorf weitverzweigten Familie, Ferdinand Höhne (* 27. Oktober 1807 in Leukersdorf; † 16. Februar 1881 in Leukersdorf) aus dem Haus Nr. 35 am 4. Mai 1847 (in der St. Nikolauskirche in Leukersdorf) Leopoldine Krimmer (* etwa 1803 in Kakau; † nach 23. September 1878) aus Deutschland geheiratet. Sie wurde auch ‚Poldine‘ genannt, woraus der Name ‚Poult‘ entstanden sei. Es gibt bisher aber keine Quellen, die das Haus Nr. 43 als Wohnhaus dieses Paares bestätigen. Dabei sind für Ferdinand Höhne zahlreiche Wohnorte in Leukersdorf (Leukersdorf Nr. 24, 31, 35, 51, 53, 57, 60, 61, 63) bekannt, da er offenbar ungewöhnlich oft umgezogen war.
    Entgegen der Information von Wenzel Plaschke ist es wahrscheinlich, dass nicht dieser Ferdinand Höhne, sondern sein gleichnamiger Vater – der Bauer Ferdinand Cajetan Wenzel Höhne (* 20. Juni 1780 in Leukersdorf; † 9. Januar 1841 in Leukersdorf) – als (ein späterer) Stammvater des weitverzweigten Familienzweigs in Leukersdorf gilt. Der ältere Ferdinand Höhne hatte zehn Kinder und lebte stets im Haus Nr. 35.
  • Haus Nr. 44: Im Jahr 1927 befand sich das Anwesen im Besitz eines Franz Höhne und war als „beim Blümel-Bauer“ bekannt. Den Namen erhielt es nach einem Besitzer namens Christoph Blümel, der zwischen 1740 und 1763 dort lebte. Ein anderer Besitzer des Hauses Nr. 44, der laut Wenzel Plaschke ebenfalls den Namen Franz Höhne – tatsächlich ist aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Zimmermann Franz Joseph Höhne (* 24. November 1810 in Leukersdorf; † 29. Januar 1886 in Leukersdorf) gemeint – hatte, baute das Haus Nr. 55 1836 auf dem Grund des Wirtschaftsgutes Nr. 44 und wurde der „lange Blümel“ genannt. Der erste bekannte Besitzer des Hauses Nr. 44 war bis ins Jahr 1597 Mathes Günther.
  • Haus Nr. 48: Das Anwesen war unter dem Namen „beim Kospawenzel“ bekannt. Der Vorname „Kaspar“ im Namen kann durch Wenzel Plaschke nicht erklärt werden. Die letzten Teile des Namens stammen von den Taufnamen der ersten drei Besitzer: Wenzel Walter, Wenzel Mühle und Wenzel Höhne. Das Haus Nr. 48 wurde im Jahre 1780 von Wenzel Walter erbaut.
  • Haus Nr. 49: Das Anwesen wurde „beim Michelebinda“ genannt. Der Name stammt laut Wenzel Plaschke von einem Besitzer namens Johann Michael Höhne (* etwa 1748; † 29. Juli 1830 Leukersdorf), dessen Enkel als Binder arbeitete. Bei dem von Wenzel Plaschke genannten Enkel des Michael Höhne handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Faßbindermeister Franz Wenzl Höhne (* 11. Juli 1819 in Leukersdorf; † 16. Juli 1899 in Leukersdorf).
  • Haus Nr. 52: Das Gebäude trug den Namen „beim Soole“. Es wurde 1797 von Franz Joseph Sigismund Höhne (* 23. Mai 1776 in Leukersdorf; † 12. Juni 1851 Leukersdorf), einem Bewohner des Hauses Nr. 28, erbaut. Dieser war laut Wenzel Plaschke ein Bruder – tatsächlich ein Halbbruder – von Anton Höhne (* etwa 15. Januar 1771 in Leukersdorf; † 6. November 1828 in Leukersdorf), dem Erbauer von Haus Nr. 53 im gleichen Jahr. Wenzel Plaschke vermutet, dass der Spitzname auf das „Salomonhäusel“ des Hauses Nr. 28 zurückgeht.
  • Haus Nr. 53: Dieses Gebäude war im Jahr 1927 im Besitz von Emil Höhne und wurde „beim Soolschneira“ genannt. Wenzel Plaschke kann sich nach seinen Angaben die Herkunft des Spitznamens „Sool“ für dieses Haus nicht erklären, während er zugleich für das Haus Nr. 52 „beim Soole“ davon ausgeht, dass sich der Spitzname vom Haus Nr. 28, dem „Salomonhäusel“, ableitet. Das Haus Nr. 53 wurde im 1797 von Anton Höhne (* etwa 15. Januar 1771 in Leukersdorf; † 6. November 1828 in Leukersdorf) aus Haus Nr. 28, einem Halbbruder von Franz Joseph Sigismund Höhne (* 23. Mai 1776 in Leukersdorf; † 12. Juni 1851 Leukersdorf), der im selben Jahr das Haus Nr. 52 errichtete, erbaut.

Neben den Häusern, die eine Verbindung zu Personen mit dem Namen Höhne haben, gab es in Leukersdorf viele weitere interessante Hausnamen:

  • Haus Nr. 1: Bekannt als „beim Richterbauer“, da die früheren Besitzer von 1570 bis 1848 fast ununterbrochen Ortsrichter waren. Der erste bekannte Besitzer des Hauses Nr. 1 war bis ins Jahr 1588 Benedig Püschel.
  • Haus Nr. 9: Genannt „beim Andersche“, obwohl niemals ein Besitzer diesen Namen führte. Der Name mag vom Taufnamen Andreas herrühren, der zwischen 1635 und 1703 zweimal als Besitzer auftrat. Der erste bekannte Besitzer des Hauses Leukersdorf Nr. 9 war bis ins Jahr 1576 Matz Hennicke.
  • Haus Nr. 25: Genannt „beim Böhm’n“ nach den Besitzern von 1612 bis 1701.
  • Haus Nr. 28: Bekannt als „das Salomonhäusel“ nach dem damaligen Besitzer Salomon Gut von 1659 bis 1688. Später wurde es als „Brandhäusel“ bekannt, da eine Familie Brand lange Jahre in diesem Hause zur Miete war. Der erste bekannte Besitzer des Hauses Nr. 28 war bis ins Jahr 1604 Michel Gut.
  • Haus Nr. 30: Eine Mühle, bekannt als „die obere Mühle“. Die Mühle wurde wahrscheinlich von der Herrschaft in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Den historischen Karten aus dem Jahr 1843 (Kaiserliche Pflichtabdrücke des Stallkatasters) ist zu entnehmen, dass nicht das Anwesen mit der Hausnummer 30, dafür aber das Anwesen mit der Hausnummer 63 als ‚Obere Mühle‘ bezeichnet ist. Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass es nach dem Jahr 1843 eine Änderung bei der Verteilung der Hausnummern in Leukersdorf gab.
  • Haus Nr. 45: Das Anwesen war als „beim Wuarnaschusta“ (auch als „Wagner-Schuster“ bezeichnet) bekannt. Ein früherer Besitzer dieses Anwesens war ein Wagner und ein anderer ein Schuster. Im Jahre 1927 wurde es noch gelegentlich als „beim Schuster“ bezeichnet. Die ersten bekannten Besitzer des Hauses Nr. 45 waren bis ins Jahr 1618 Hans Schwarz und Hans Hausken.
  • Haus Nr. 47: Das Haus Nr. 47 trug die Bezeichnungen „beim Schloßerfranze“ und „beim Brückenwalter“. Die Namensgebung „beim Schloßerfranze“ ergab sich aus den Besitzverhältnissen zweier Personen, dem Schloßmeister Ig. Senkbart und Franz Walter. Der Name „beim Brückenwalter“ leitet sich vom Namen des Besitzers Franz Walter und von der Nähe des Gebäudes zur Brücke über den Bach, die zur Kirche führte, ab. Den historischen Karten aus dem Jahr 1843 (Kaiserliche Pflichtabdrücke des Stallkatasters) ist zu entnehmen, dass nicht das Anwesen mit der Hausnummer 47, dafür aber das Anwesen mit der Hausnummer 32 in der Nähe der Brücke liegt. Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass es nach dem Jahr 1843 eine Änderung bei der Verteilung der Hausnummern in Leukersdorf gab.
  • Haus Nr. 50: Das Haus wurde das „Pattenhäusel“ genannt. Dieser Name stammt von einem früheren Besitzer, Joh. G. Parten, der am 12. März 1809 verstarb.

In der historischen Aufzeichnung der ‚Alten Hausnamen in Leukersdorf‘, die von Wenzel Plaschke im Jahr 1926 verfasst wurde, finden sich mehrere Häuser, die mit dem Namen oder Namensteil „Toffel“ (Haus Nr. 24: „beim Douffel“, Haus Nr. 46: „beim Toffelguste“, Haus Nr. 51: „Toffelwawa“ (Weber) und Haus Nr. 54: „beim Toffelvinze“) verbunden sind. Wenzel Plaschke hatte in seiner Veröffentlichung im Jahr 1926 für diese Hausnamen zunächst keine konkrete Erklärung. In seiner im Jahr 1927 veröffentlichten Fortsetzung trägt er zu diesen Hausnamen nach, dass sich diese vom Vornamen ‚Christoph‘ der Hausbesitzer ableiten.

Die Verwendung des Namens oder Namensteils „Toffel“ in den Hausnamen von Leukersdorf könnte möglicherweise aber auch auf den Anbau von Kartoffeln in dem Ort zurückzuführen sein. Die These lässt sich aus der historischen Entwicklung und der Einführung der Kartoffel in Leukersdorf im Jahr 1770 ableiten. Die Verbindung zwischen dem Namen „Toffel“ und der Kartoffel könnte in der lokalen Dialektform für Kartoffel liegen. Es wäre möglich, dass die Hausbesitzer, die mit dem Namen „Toffel“ in Verbindung gebracht wurden, entweder besonders erfolgreich im Kartoffelanbau waren oder eine besondere Rolle bei der Einführung und Verbreitung der Kartoffel in der Region spielten.

Hinweise

  • In diesem Artikel sind zahlreiche Häuser mit einer historischen Karte aus dem Jahr 1843 (Kaiserliche Pflichtabdrücke des Stallkatasters) verknüpft. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass diese Verknüpfungen nicht korrekt sind. Es gibt Hinweise darauf, dass die Hausnummern in Leukersdorf nach 1843 neu vergeben wurden.
  • Das Geburtsdatum von Jakob Höhne (* 29. März 1670 (?); † 6. Februar 1720 in Leukersdorf) ist zweifelhaft, da im Taufmatrikel kein Name und „Tochter“ angegeben ist.

Quellen

  • Wenzel Plaschke: Alte Hausnamen in Leukersdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 6. Jahrgang, 1926, 4. Heft. Selbstverlag, 1926, S. 182 ff.
  • Wenzel Plaschke: Alte Hausnamen in Leukersdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 7. Jahrgang, 1927, 1. Heft. Selbstverlag, 1927, S. 25 ff.
  • Wenzel Plaschke: Brautausstattung aus dem Jahre 1691. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 3. Jahrgang, 1923, 3. Heft. Selbstverlag, 1923, S. 84 f.
  • Wenzel Plaschke: Zur Ortsgeschichte von Leukersdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 4. Jahrgang, 1924, 1. Heft. Selbstverlag, 1924, S. 23 ff.
  • im Text verlinktes Kartenmaterial des tschechischen Geoportals ČÚZK
  • Die im Text verlinkten Kirchenbücher sind Teil des tschechischen Státní oblastní archiv Litoměřice (Staatliches Gebietsarchiv Litomerice).
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild