Glockenweihe und Enthüllung einer Gedenktafel in Schönpriesen

Im Jahr 1924, am 6. Juli, wurde im böhmischen Ort Schönpriesen (tschechisch Krásné Březno) nahe der Stadt Aussig (tschechisch Ústí nad Labem) eine neue Glocke in der örtlichen Kirche geweiht, in Dienst gestellt und eine Gedenktafel für die Kriegsopfer enthüllt. Bei dieser Zeremonie spielte auch ein Höhne eine entscheidende Rolle.

Die neue Glocke war eine Ersatz für die große Glocke, die am 13. September 1916 beschlagnahmt worden war. Dank der Sammlungen innerhalb der Pfarrgemeinde konnte eine neue Glocke angeschafft werden. Sie wurde vom Glockengießer Rudolf Perner in Budweis hergestellt, wiegt 715 kg und hat an der Unterseite einen Durchmesser von 106 cm. Die Glocke ist mit dem Bild des Heiligen Florian und dem Spruch „Sei unser Retter in der Not!“ verziert. Eine weitere Inschrift lautet: „Gewidmet den im Weltkriege 1914-1918 gefallenen und gestorbenen Helden der Pfarrgemeinde Schönpriesen.“

Die Beschlagnahmung von Kirchenglocken in Böhmen und anderen Teilen Europas während des Ersten Weltkriegs war eine weit verbreitete Praxis. Der Hauptgrund dafür war der hohe Bedarf an Metall, insbesondere an Kupfer und Zinn, für die Kriegsproduktion. Im Verlauf des Krieges wurden die Ressourcen knapp und die kriegführenden Länder suchten nach Möglichkeiten, die benötigten Materialien zu beschaffen. Kirchenglocken, die oft aus einer Legierung von Kupfer und Zinn (Bronze) bestehen, wurden als wertvolle Quelle für diese Metalle gesehen. Daher wurden sie häufig beschlagnahmt und eingeschmolzen, um Material für die Herstellung von Waffen und Munition zu liefern. Diese Praxis war sehr umstritten und führte oft zu Spannungen zwischen der Kirche und dem Staat. Für viele Menschen waren die Glocken nicht nur funktionale Objekte, sondern auch wichtige religiöse und kulturelle Symbole. Ihre Beschlagnahmung wurde daher oft als tiefgreifender Verlust empfunden. Die Beschlagnahmung der großen Glocke in Schönpriesen am 13. September 1916 fällt in diese historische Periode. Die spätere Wiederherstellung und Weihe einer neuen Glocke im Jahr 1924 kann als symbolischer Akt der Erneuerung und des Gedenkens an die Kriegsopfer gesehen werden.

Die Weihe der Glocke war ein großer Anlass für die katholischen Bewohner von Schönpriesen, die in großer Zahl an dem prächtigen Festzug zur Kirche teilnahmen. Die Weiherede hielt der Katechet Herr D. Heine, und die Glockenweihe wurde vom Kanonikus Herr P. Reike aus Leitmeritz durchgeführt. Nach der Weihe wurde die Glocke sofort aufgezogen und geläutet.

Am selben Tag wurde durch den Obmann des Festausschusses, Herr Höhne eine Gedenktafel für die Kriegsopfer enthüllt. Die Tafel, die an der Nordseite der Kirche, rechts vom Eingang, angebracht war, enthielt die Namen von 91 aus der Schönpriesner Pfarre stammenden und im Weltkrieg gestorbenen Soldaten. 

Gedenktafeln für Kriegsopfer dienen als physische Manifestationen der Erinnerung und des Respekts für diejenigen, die ihr Leben im Krieg verloren haben. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als viele Gemeinden den Verlust von Bürgern betrauerten, boten diese Gedenktafeln einen Ort, an dem die Gemeinschaft zusammenkommen, sich der Verstorbenen erinnern und trauern konnte. Sie waren oft mit den Namen der Gefallenen graviert, was ihnen eine persönliche und emotionale Bedeutung verlieh. Diese Tafeln dienten und dienen nicht nur als Erinnerung an die individuellen Opfer, sondern auch als Mahnmal für die Schrecken des Krieges.

Beim Obmann des Festausschusses, Herrn Höhne handelt es sich möglicherweise um Franz Höhne, der bereits am 5. August 1923 als Obmann des Denkmalausschusses im böhmischen Ort Arnsdorf (tschechisch Arnultovice) bei Böhmisch-Kahn (tschechisch Velké Chvojno) ein Kriegerdenkmal enthüllt hatte. Hierzu kann im Beitrag ‚Franz Höhne und das Kriegerdenkmal von Arnsdorf‚ mehr erfahren werden.

Quellen

  • Neue Glocken. Glockenweihe in Schönpriesen. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 4. Jahrgang, 1924, 3. Heft. Selbstverlag, 1924, S. 151.
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild