Die Einführung der Kartoffel in Leukersdorf

Im Jahr 1770 begann eine bemerkenswerte Entwicklung in Leukersdorf (tschechisch Čermná | historische Karte), einem kleinen Dorf in Böhmen. Frauen aus dem Dorf, die regelmäßig nach Pirna reisten, um Eier zu verkaufen, brachten eine neue Pflanze in ihre Heimat: die Kartoffel, auch als Erdapfel bekannt.

Diese ersten Kartoffeln wurden jedoch nicht sofort in die lokale Küche aufgenommen. Die Frauen, die sie mitbrachten, kochten sie nicht vollständig weich, was wahrscheinlich auf ihre Unkenntnis über die richtige Zubereitung zurückzuführen ist. Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten begannen die Dorfbewohner, die Vorteile dieser neuen Pflanze zu erkennen.

Einer der ersten, der den Wert der Kartoffel erkannte, war Johann Georg Höhne, ein Bewohner von Leukersdorf. Er kaufte eine Metze (ein altes Volumenmaß) Kartoffeln und pflanzte sie auf dem Högeberg (womit wahrscheinlich der Hegerberg gemeint ist), einem lokalen Hügel. Trotz der Herausforderungen, wie wilden Schweinen, die viele der Kartoffeln ausgruben und fraßen, war die Ernte erfolgreich. Höhne erhielt ein Viertel Strich (sowohl ein altes Raum- als auch Flächenmaß) Kartoffeln zurück.

Über Johann Georg Höhne steht in der Quelle geschrieben, dass er Bewohner des Haus Nr. 88 sei. Allerdings gab es insbesondere im Jahr 1770 weniger als 50 Häuser mit eigenen Nummern im böhmischen Ort Leukersdorf und damit kein Haus mit der Nr. 88. Zuletzt wurde vor 1770 im Jahr 1756 von Anton Güttler das Haus Nr. 47 und danach erst im Jahre 1780 das nächste Haus mit der Nr. 48 von Wenzel Walter erbaut. Daher muss es sich bei der Angabe der Haus Nr. 88 sehr wahrscheinlich um einen Schreib- oder Übertragungsfehler handeln. Im böhmischen Ort Leukersdorf lebten ungewöhnlich viele Bewohner mit dem Familiennamen Höhne, deren gemeinsame Wurzeln bereits zu dieser Zeit viele Jahrzehnte zurück lagen. Zu dieser Zeit kommen Johann Georg Höhne (* 20. August 1747 in Leukersdorf | + 4. August 1817 in Leukersdorf Nr. 28) aus Haus Nr. 28, Johann Georg Höhne (* 22. April 1716 in Leukersdorf Nr. 9 | + 24. November 1773 in Leukersdorf Nr. 9) aus Haus Nr. 9 und Johann Georg Höhne (* 5. Dezember 1741 in Leukersdorf | + 2. Dezember 1811 in Leukersdorf Nr. 44) aus Haus Nr. 44 in Betracht.

Auffallend ist auch, dass die Bewohner nach dieser Überlieferung bis ins ca. 30km entfernte Pirna reisten, um landwirtschaftliche Waren auf dem Markt zu verkaufen, während die böhmische Stadt Aussig (tschechisch Ústí nad Labem) nur ca. 12km entfernt lag. Pirna gehörte bis 1405 zu Böhmen. 

Quellen

  • Wenzel Plaschke: Anbau der ersten Kartoffeln in Leukersdorf. Aus dem Leukersdorfer Pfarrgedenkbuch. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 4. Jahrgang, 1924, 3. Heft. Selbstverlag, 1924, S. 138.
  • Wenzel Plaschke: Zur Ortsgeschichte von Leukersdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 4. Jahrgang, 1924, 1. Heft. Selbstverlag, 1924, S. 23 ff.
  • im Text verlinktes Kartenmaterial des tschechischen Geoportals ČÚZK
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild

Johann Georg Höhne und die französischen Truppen in Leukersdorf

In der Geschichte der Familie Höhne gibt es viele bemerkenswerte Persönlichkeiten und Ereignisse. Eines davon ist die Geschichte von Johann Georg Höhne, einem mutigen Mann, der in einer Zeit der Unsicherheit und des Krieges standhaft blieb.

Am 30. August 1813, inmitten der Wirren der Napoleonischen Kriege, kamen französische Truppen unerwartet in das böhmische Dorf Leukersdorf. Sie waren auf der Flucht von der Schlacht bei Kulm und lagerten auf den Feldern der Wirtschaften von Leukersdorf Nr. 23 und 24. Die Ankunft der Truppen brachte Chaos und Angst mit sich, und viele Dorfbewohner flohen vor den herannahenden Soldaten.

Johann Georg Höhne, geboren am 13. August 1767 in Leukersdorf und gestorben am 14. Januar 1850 ebenda, war eine Ausnahme. Er hatte 12½ Jahre bei den „Kaiserlichen“ (österreichischen Truppen) gedient und konnte sich in mehreren Sprachen verständigen, darunter Französisch. Dies ermöglichte ihm, mit den französischen Soldaten zu kommunizieren und im Dorf zu bleiben, während die meisten anderen Bewohner flohen.

Die französischen Truppen nahmen viele Güter aus dem Dorf mit bzw. plünderten sie. Die verfolgenden österreichischen Truppen setzten den fliehenden Franzosen bis nach Deutsch-Kahn nach, sahen aber aufgrund ihrer eigenen geschwächten Verfassung von einer weiteren Verfolgung ab. Am nächsten Morgen zogen die französischen Truppen ungehindert weiter über Schneeberg nach Sachsen.

Die Geschichte von Johann Georg Höhne zeigt den Mut und die Standhaftigkeit eines Mannes inmitten der Wirren des Krieges und ist ein Beispiel für die vielfältigen persönlichen Geschichten, die die Geschichte einer Familie ausmachen. 

Quellen

  • Abschriften aus dem Gedenkbuch und der Gemeinderechnung mit Ergänzungen von Wenzel Plaschke: Die Franzosen in Leukersdorf 1813. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig, geleitet von Prof. Dr. Franz Josef Umlauft (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 8. Jahrgang, 1928, 4. Heft. Selbstverlag, 1928, S. 183 f.
  • Beitragsbild: fiktives, mit DALL·E 3 erstelltes Bild