Ignatz Höhne und die Kohleförderung in Türmitz

Im böhmischen Ort Türmitz (tschechisch Trmice), der an der westlichen Stadtgrenze von Aussig (tschechisch Ústí nad Labem) an einer Flussschleife der Biela (tschechisch Bílina) liegt, spielte um 1800 auch ein Mitglied der Familie Höhne im frühen Braunkohlenabbau eine Rolle. Nach einer 1909 von Anton Tscherney verfassten Ortsgeschichte, die im Aussiger Boten 2020 auszugsweise wiedergegeben wurde, erschürften der Türmitzer Schmiedemeister Johann Michael Nitsche und sein Kompagnon, Johann Michael Schöber, seit 1796 hinter Weinau ein sieben bis siebzehn Meter mächtiges Braunkohlenlager. Im Jahr 1798 kamen der Seifensieder Franz Anton Meixner und der Grundbesitzer Ignatz Höhne hinzu und legten auf der Flur Rabenei eigene Abbaue an. Höhne war damit einer der frühen Unternehmer des Türmitzer Kohlenabbaus.

Ignatz Höhne starb 1815 im Alter von 73 Jahren. Kurz zuvor hatte er seinen Sohn Josef verloren, den Erben von Grund und Grube. Josef Höhne erstickte am 4. März 1814 im Alter von 33 Jahren im Schacht durch das Einatmen von „Kohlendunst“. Der Ausdruck gehört zur Sprache der damaligen Bergleute und bezeichnet erstickende Grubengase, in denen sich nicht atembare Luft ansammelt. Welche Gase im Einzelfall beteiligt waren, überliefert die Quelle nicht. Der Unfall zeigt, wie gefährlich die Arbeit der frühen Kohlengräber war, denn sie waren meist Handwerker und Landarbeiter ohne bergmännische Ausbildung. Auf dem Türmitzer Friedhof erinnern Bergmannsgräber aus den Jahren 1814, 1865, 1866 und 1908 an solche Unglücksfälle.

Neben Nitsche, Schöber, Meixner und Höhne beteiligten sich in den folgenden Jahren weitere Kleinunternehmer am Abbau, darunter der Zimmermann Josef Rilke, der Strumpfwirker Michael Enzinger, die Grundbesitzer Josef Heinrich und Anton Arlt, der Schuhmachermeister Josef Rotsch und um 1827 sogar Pfarrer Georg Hügel. Die Herrschaft Türmitz selbst förderte erst ab etwa 1800 und zunächst nur für den Eigenbedarf. Unter Graf Albert von Nostitz (Regentschaft 1839 bis 1871) wurde der Abbau ab 1841 energischer betrieben, weil die Nachfrage stieg. Die Kohle wurde anfangs mit Haspeln gefördert, per Pferdefuhrwerk zur Elbe gebracht und von dort nach Deutschland verschifft. 1842 arbeiteten in den Nostitz’schen Schächten 50 Kohlenarbeiter, 1852 bereits 90. Ab 1857 setzte der Graf Förder- und Entwässerungsmaschinen ein, und 1862 waren zwei Schächte durch Zweigbahnen an die Station Türmitz der Aussig-Teplitzer Eisenbahn angeschlossen. In diesem Jahr förderten 160 Bergleute 1,33 Millionen Zentner Kohle, je nach Zentnermaß etwa 66.000 bis 75.000 Tonnen. Unter Alberts Tochter, der Gräfin Maria Antonia Gabriele Sylva-Tarouca, stieg die Förderung im Türmitzer Revier 1890 auf 2,75 Millionen Doppelzentner, das sind rund 275.000 Tonnen Braunkohle.

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Quellen

  • Anton Tscherney: Beitrag zur Geschichte der Stadt Türmitz, hrsg. von Josef Bertig, Türmitz 1909 (maßgebliche Grundlage, hier nur über den Auszug im Aussiger Boten benutzt).
  • Von der Kohlenförderung in Türmitz, eingesandt von Helmut Hoffmann (leicht gekürzt), in: Aussiger Bote, 72. Jg., Folge 5, Mai 2020, S. 140–142.
  • Wenzel Poech: Das nordwestböhmische Braunkohlenbecken, in: Die Gross-Industrie Oesterreichs, Bd. 1, S. 240–254 (um 1898); nennt für 1856 die erste Fördermaschine des Beckens am Arnoldschacht bei Türmitz und für 1896 rund 336.800 t Förderung der Sylva-Tarouca-Nostitz’schen Schächte.
  • Jiří Matějček: Vývoj uhelného průmyslu v českých zemích po průmyslové revoluci (do roku 1914), dt. Die Entwicklung des Kohlenbergbaues in den böhmischen Ländern nach der industriellen Revolution; hier nach der Rezension von Robert Luft, in: Bohemia 27 (1986), S. 167–170.
  • Harald Bachmann: Sozialstruktur und Parteienentwicklung im nordwestböhmischen Kohlenrevier vor dem Zusammenbruch der Monarchie (Kontext zu Arbeitsmigration und Sozialstruktur).
  • Gustav Schneider: Der Braunkohlen-Bergbau in den Revierbergamts-Bezirken Teplitz, Brüx und Komotau (Digitalisat der Magyar Elektronikus Könyvtár; Erscheinungsjahr noch zu klären).
  • Trmice, Wikipedia (deutsch, tschechisch, englisch), für die Ortsgeschichte.
  • Beitragsbild: fiktives, mit Nano Banana 2 erstelltes Bild.

Hinweise

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